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Deutscher Wald zu alt für den Klimawandel22.07.2019

alter Wald

Deutschland hat viel Wald und Holz im Überfluss – letzteres allerdings nur theoretisch. Die Kohlenstoffinventur 2017 zeigt: Tatsächlich genutzt wurde weniger als für den Wald gut wäre. Der Wald ist zu alt, um auf Klimaveränderungen reagieren zu können.

Berlin, 22.07.2019: Die Forscher des Thünen-Instituts veröffentlichten die Ergebnisse der Kohlenstoffinventur 2017 und fassen die Ergebnisse wie folgt zusammen: Es gibt mehr alte und dicke Bäume, der Laubbaumanteil wächst, der Holzvorrat ist gestiegen. Der Anstieg des Holzvorrates hat sich beschleunigt, weil deutlich weniger Holz, insbesondere Fichte, genutzt wurde. 

Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Rohholz e.V. (AGR), der Rohstoffgruppe der Holzindustrie wirft einen zweiten – kritischen – Blick auf die Ergebnisse der Kohlenstoffinventur. Grundsätzlich sind die Kernaussagen positiv: Eine forstliche Übernutzung der Wälder, wie in einigen tropischen Regionen, brauchen wir in Deutschland nicht zu befürchten. Die Bewertung der Ergebnisse fällt jedoch auch vor dem Hintergrund der aktuellen Waldschäden differenzierter aus. Die Kohlenstoffinventur zeige wie schon die letzte Bundeswaldinventur aus dem Jahr 2014 eines ganz deutlich: „Der deutsche Wald hat ein demographisches Problem: Er ist zu alt und zu dick!“

Denn so positiv die ökologische Entwicklung der Wälder grundsätzlich ist, offenbaren die Ergebnisse auch ein zunehmendes Problem im Klimawandel: „Alte Bäume sind ökologisch wertvoll, aber alte Wälder sind auch besonders anfällig gegen Klimastress infolge langer Dürreperioden wie wir sie in den letzten beiden Jahren erleben mussten“, so Ohnesorge. Dies zeigen die Borkenkäfer- und Dürreschäden, welche deutschlandweit über alle Baumarten, aber besonders in älteren Wäldern zu verzeichnen sind. Diese Schäden und die nachfolgenden hohen Schadholznutzungen sind von der Kohlenstoffinventur noch nicht erfasst. 

Die Extremwetterereignisse machen deutlich, dass der Wald mehr noch als bisher gemischt und mit Baumarten verjüngt werden müsse, die die Auswirkungen des Klimawandels voraussichtlich besser vertragen. In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren wurden viel zu wenig junge Bäume nachgezogen. 

Aktuell ist die Forst- und Holzwirtschaft im Ausnahmezustand, da viele Wälder infolge der Dürre absterben und in kurzer Zeit viel Rohholz auf dem Markt kommt. Für die Industrie ist ein solch hoher Schadholzanfall von großem Nachteil, denn sie ist auf eine kontinuierliche und planbare Versorgung angewiesen. Die Qualität von Schadholz ist tendenziell geringer und die Verarbeitungskapazitäten sind begrenzt. Für die kommenden Jahre befürchtet die AGR in den Schadholzregionen einen deutlichen Rückgang der Rohholzverfügbarkeit. Deshalb setzt sie sich für ein besseres Risiko- und Krisenmanagement in der Forstwirtschaft ein. 

Die AGR fordert deshalb ein Umdenken: Es sollten in Normaljahren mehr alte Wälder genutzt und der Wald mit geeigneten Baumarten verjüngt werden. Nur so kann die Leistungsfähigkeit und Vitalität des Waldes im Klimawandel verbessert und Schadholzereignissen vorgebeugt werden. 

Über die Kohlenstoffinventur: Die Kohlenstoffinventur 2017 erfasst zwischen den Bundeswaldinventuren 2012 und 2022 mit einem eingeschränkten Datenspektrum den Zustand des deutschen Waldes. Sie liefert Daten zu dem im Wald gebundenen Kohlenstoff für die zweite Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls (2013 bis 2020). Außerdem zeigt sie, wie sich die Wälder seit der Bundeswaldinventur 2012 verändert haben.

Pressekommentar Deutscher Wald zu alt für den Klimawandel als nur-Text-Version
Pressekommentar Deutscher Wald zu alt für den Klimawandel als PDF-Version

Grafik Fläche alter Wälder
Grafik Waldflächenentwicklung
Grafik Waldflächenzusammensetzung

Weitere Informationen zur Kohlenstoffinventur unter:

Übersicht Ergebnisse der Kohlenstoffinventur 2017
Flyer zur Kohlenstoffinventur 2017

Pressekontakt
Nora Zywotteck
Arbeitsgemeinschaft Rohholz e.V.
Dorotheenstraße 54, 10117 Berlin
Tel.: +49 30 2061 399 70    
E-Mail: presse@ag-rohholz.de
Internet: www.ag-rohholz.de

Die Arbeitsgemeinschaft Rohholz e.V. (AGR) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Unternehmen und Verbänden der Rohholz verbrauchenden Branchen in Deutschland und den angrenzenden Ländern. Die AGR setzt sich für eine effiziente und nachhaltige Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz ein. Dabei tritt sie in Dialog mit Vertretern aus Medien, Wirtschaft, Politik sowie Forschung und Lehre, um die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die stoffliche Verwendung von Holz zu verbessern. In Kooperation mit der Forstwirtschaft engagiert sich die AGR für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die im Einklang mit ökonomischen, ökologischen und sozialen Interessen steht.

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