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23.02.2021

Subventionen für Holzenergie: Nicht das „Kind mit dem Bade ausschütten“

© unsplash

Kommentar der AG Rohholz zum von über 500 Wissenschaftlern unterzeichneten Brief an US-Präsident Biden, die EU-Kommission und weitere internationale Regierungschefs mit der Warnung, Subventionen für die energetische Holznutzung würden dem Kampf gegen den Klimawandel entgegenwirken.

Hintergrund
Am 11. Februar 2021 versandte eine Gruppe von über 500 internationalen Wissenschaftlern ein gemeinsames Schreiben, in dem sie ein Ende der Praxis der staatlichen Subventionierung der energetischen Holznutzung fordern. Die bisherige Praxis der Nutzung von Holznebenprodukten habe zwar nicht zu erhöhter Waldnutzung geführt, in der jüngeren Vergangenheit sei aber einen Trend zur energetischen Vollbaumnutzung bzw. Stammholznutzung zu beobachten gewesen. Die Wissenschaftler monieren, dass bei der energetischen Holznutzung knapp zwei bis dreimal so viele Emissionen pro Brenneinheit frei würden wie bei vergleichbaren fossilen Brennstoffen. Energiekonzerne stellten ihre fossilen Kraftwerke auf die Holznutzung um. Das Nachhaltigkeitsprinzip der Waldbewirtschaftung greife nicht, weil es Jahrzehnte dauere, bis der Kohlenstoff durch Waldwachstum wieder eingespeichert werde. U.a. die EU müsse deshalb aufhören, das Verbrennen von Holz als klimaneutral zu bewerten, Bäume seien lebendig für den Klimaschutz nützlicher, weshalb Wälder erhalten und wiederhergestellt werden müssten.

Kommentar der AGR

Wo die Wissenschaftler recht haben
Im Brief der Wissenschaftlicher wird eine komplexe Gemengelage etwas zu einfach dargestellt. Trotzdem ist die Warnung in Teilen gerechtfertigt und sollte von der Politik ernst genommen werden. Wie im Brief selber zugegeben wird, hat die energetische Nutzung von Resthölzern bislang nicht zu einem erhöhten Nutzungsdruck auf den Wald geführt. Erst der jüngste Trend die Nutzungskaskade zu unterlaufen und ganze Bäume sowie Stammholz direkt energetisch zu nutzen, habe damit den verhängnisvollen Trend ausgelöst. So weit so richtig: Die AGR spricht sich klar gegen die unmittelbare energetische Nutzung von Holzsortimenten aus, die alternativ auch stofflich genutzt werden könnten. Die energetische Holznutzung darf nur auf Basis einer größtmöglichen Rohstoffeffizienz erfolgen.

Weiterhin machen die Wissenschaftler auch auf ein Problem aufmerksam, dass die AGR auch für Europa und Deutschland erkannt hat: Die Umrüstung von Kraftwerken zur Nutzung von Biomasse. Wie die IEA Bioenergy TCP in ihrer Reaktion auf das Schreiben richtigerweise angemerkt hat, fallen auch bei normalen Durchforstungsmaßnahmen immer Holzmengen an, die energetisch zu nutzen theoretisch unproblematisch ist. Das Holzaufkommen in Deutschland war allerdings in den vergangenen drei Jahren vor allem durch das Aufarbeiten großer Kalamitätsholzmengen geprägt. Wenn auf Basis solcher „Sondernutzungsmengen“ nun Investitionsentscheidungen in Kraftwerken zur Umrüstung auf die energetische Holznutzung getroffen werden, dann generiert sich dadurch eine langfristig höhere Nachfrage nach Biomasse. Sobald dann die Masse an Schadholz zurückgeht, tritt diese Nachfrage zwangsläufig in Konkurrenz zur stofflichen Holznutzung: Die Kaskade würde nicht mehr greifen, die Nutzung würde nicht mehr effizient erfolgen. Staatliche Subventionen für Kraftwerksumrüstungen zur Biomassenutzung sehen wir deshalb, genau wie die Wissenschaftler, als kritisch an.

Wo die Wissenschaftler nicht ganz recht haben
Auf Deutschland bezogen basiert das Problem auf der strukturellen Zusammensetzung der Wälder. Es gibt ein immer größer werdendes Laubholzaufkommen, das sich allein in den letzten dreißig Jahren verdoppelt hat und in den kommenden dreißig Jahren nochmals um die Hälfte wachsen wird. Stoffliche Nutzungsmöglichkeiten für Laubholz sind in der Masse oft limitiert, was dazu führt, dass eine wachsende Menge Laubholz energetisch genutzt wird. Ein stabil hoher Nadelholzanteil garantiert aus Sicht der AGR einen höheren Nutzungsgrad. Gleichzeitig sollte stärker in die Erforschung von wettbewerbsfähigen, stofflichen Laubholznutzungsformen investiert werden. Grundsätzlich auf die Waldnutzung zu verzichten ist natürlich auch im Laubholzbereich keine Alternative: Gerade im Klimawandel braucht es gut strukturierte Mischwälder. Und wo der Wald für die klimagerechte Bereitstellung von Holz bewirtschaftet wird, fallen automatisch auch energetisch nutzbare Mengen ab.

Eine grundsätzliche Schwierigkeit der Initiative ist, dass die von den Wissenschaftlern geforderten Maßnahmen sich auch negativ auf die Formen der energetischen Holznutzung auswirken, die, wie sie selbst zugeben, eigentlich unproblematisch sind. Dort, wo die energetische Holznutzung tatsächlich fossile Brennstoffe unter genanntem Effizienzvorbehalt ersetzt, stellt sie ein wichtiges Instrument im Kampf gegen den Klimawandel dar, auf das nicht verzichtet werden sollte. Speziell die Nutzung von Sägenebenprodukten wie Pellets oder recycelten Althölzern, stellt an der Stelle, an der die stoffliche Nutzung keinen Sinn mehr macht, energetisch kein Problem dar. Die Kohlenstoffbilanz der Atmosphäre bleibt ausgeglichen, was im Zweifelsfall schwerer wiegt als die Brennstoffeffizienznachteile, die Holz etwa gegenüber Kohle ausweist. Die Bilanzierung der energetischen Holznutzung entsprechend zu ändern, ist also nicht zielführend.

Fazit
In anderen Ländern mögen z.T. andere Voraussetzungen gelten. Für Deutschland gilt: Am Ende ist es nicht der „lebende Baum“, der uns in der Klimakrise hilft, sondern der lebendige, nachhaltig bewirtschaftete Wald und die rohstoffeffiziente Nutzung von Holz.

Den Kommentar als pdf-Version finden Sie hier.

Pressekontakt
Arbeitsgemeinschaft Rohholz e. V.
Nora Zywotteck
Dorotheenstraße 54
10117 Berlin
Tel.: +49 30 / 20 61 39 97 - 5
Fax: +49 30/ 37 71 94 57       
E-Mail: nora.zywotteck@ag-rohholz.de
Internet: www.ag-rohholz.de

Über die Arbeitsgemeinschaft Rohholz e.V. (AGR)
Die Arbeitsgemeinschaft Rohholz e.V. (AGR) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Unternehmen und Verbänden der Rohholz verbrauchenden Branchen in Deutschland und den angrenzenden Ländern. Die AGR setzt sich für eine effiziente und nachhaltige Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz ein. Dabei tritt sie in Dialog mit Vertretern aus Medien, Wirtschaft, Politik sowie Forschung und Lehre, um die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die stoffliche Verwendung von Holz zu verbessern. In Kooperation mit der Forstwirtschaft engagiert sich die AGR für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die im Einklang mit ökonomischen, ökologischen und sozialen Interessen steht.