Loading...
Zur Übersicht
03.06.2021

AGR-Kommentar: Waldgipfel der Bundesregierung lässt einige Fragen offen

© lukasz szmigiel unsplash

Bundeswaldministerin Julia Klöckner eröffnete am 02. Juni den nunmehr zweiten nationalen Waldgipfel. Im digitalen Format ging es diesmal vor allem um die zukünftigen Förderkonzepte der Leistungen der Wälder. Die entscheidende Frage, welche vergüteten Leistungen der Wald in welcher Ausgestaltung in Zukunft erbringen soll, kam dabei aus Sicht der AGR zu kurz.

03.06.2021: Stand der erste Waldgipfel in 2020 noch ganz unter dem Eindruck des „Schocks“ der enormen Waldschäden der jüngsten Vergangenheit, stand nach den akuten Hilfszahlungen der letzten Jahre diesmal die Frage nach der langfristigen Förderkulisse zur Bewältigung der Generationenaufgabe der Anpassung der Wälder an den Klimawandel im Vordergrund. Der geneigte Zuhörer bekam schnell den Eindruck, dass alle gesellschaftlichen Kräfte und die Wissenschaft sich gleichsam einig sind, dass der Handlungsbedarf evident sei und jetzt noch über die Ausgestaltung von langfristigen Finanzhilfen an den Waldbesitz in seiner unterschiedlichen Ausprägungsform zu sprechen sei.

Ob das vom BMEL verfolgte Konzept der Verknüpfung der Zahlungen mit Nachhaltigkeitszertifikaten des Waldes ausreichen wird, den unilateralen Subventionen für den deutschen Wald über die Hürde des EU-Beihilferechts zu helfen, wird sich zeigen müssen. Eine andere Frage hätte in diesem Fall mehr Beachtung verdient: Als Frau Prof. Haffner von den positiven Auswirkungen der Holznutzung auf das Klima referierte, stand danach die letztlich unbeantwortete Frage im Raum, was das denn in Konsequenz für den Wald bedeutet. Auch der umgebaute Wald muss den dafür notwendigen Rohstoff schließlich langfristig bereitstellen. Eingedenk dieser Tatsache wäre eine intensivere Diskussion z.B. in Hinsicht auf die groß angelegten Nutzungsverbote der EU-Kommission, die für Deutschland die komplette Einstellung von Bewirtschaftungen auf 15% seiner unbebauten Landfläche fordert, auch beim Waldgipfel sicher nicht falsch adressiert gewesen.

In der politischen Abschlussdebatte der forstpolitischen Sprecher der Bundestagsfraktionen kam schließlich mehr Leben in die Veranstaltung. Harald Ebner von Bündnis 90 die Grünen monierte die aus seiner Sicht fehlenden ökologischen Auflagen für die Förderung des Waldumbaus.

Auf der anderen Seite irritierten Kerstin Tackmann von der LINKEN mit der Idee von Maßnahmen, Sägewerke politisch zur Abnahme von bestimmten schlecht verkäuflichen Waldholzsortimenten zu zwingen sowie der FDP-Politiker Karlheinz Busen mit der Behauptung, die aktuellen Schalenwildbestände würden grundsätzlich kein Problem für den Wald in Deutschland darstellen.

Sollten bis zum nächsten Waldgipfel substanzielle Fortschritte in der langfristigen Finanzierung des klimawandelinduzierten Waldumbaus erreicht sein, ist zu hoffen bzw. anzuregen, dass nicht zuletzt auch die strategische Bedeutung der langfristigen Rohstofffrage stärker in den Fokus der Politik rückt.

Hier finden Sie den Kommentar als pdf-Version.

Pressekontakt
Arbeitsgemeinschaft Rohholz e. V.
Nora Zywotteck
Dorotheenstraße 54
10117 Berlin
Tel.: +49 30 / 20 61 39 97 - 5
Fax: +49 30/ 37 71 94 57       
E-Mail: nora.zywotteck@ag-rohholz.de
Internet: www.ag-rohholz.de

Über die Arbeitsgemeinschaft Rohholz e.V. (AGR)
Die Arbeitsgemeinschaft Rohholz e.V. (AGR) ist ein freiwilliger Zusammenschluss von Unternehmen und Verbänden der Rohholz verbrauchenden Branchen in Deutschland und den angrenzenden Ländern. Die AGR setzt sich für eine effiziente und nachhaltige Nutzung des nachwachsenden Rohstoffes Holz ein. Dabei tritt sie in Dialog mit Vertretern aus Medien, Wirtschaft, Politik sowie Forschung und Lehre, um die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen für die stoffliche Verwendung von Holz zu verbessern. In Kooperation mit der Forstwirtschaft engagiert sich die AGR für eine nachhaltige Waldbewirtschaftung, die im Einklang mit ökonomischen, ökologischen und sozialen Interessen steht.