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19.10.2011

Herkunftsnachweis für Sägenebenprodukte derzeit unrealistisch

Verbände der deutschen Holzindustrie verabschieden Erklärung zur PEFC-Produktkettenzertifizierung

Berlin, 19. Oktober 2011 – Mehrere Verbände der deutschen Holzindustrie verabschiedeten vergangene Woche eine Erklärung an den PEFC-International, in der sie auf die mangelnde Anwendbarkeit des PEFC-ST-2002:2010-Chain-of-Custody-Standards, insbesondere des Sorgfaltspflichtsystems DDS, auf Sägenebenprodukte (SNP) hinweisen.
Eine gleichlautende „Frankfurter Erklärung“ wurde bereits im April 2011 an den FSC übermittelt, der in ähnlicher Weise Herkunftsnachweise für SNP einfordert. „Die Lage ist bei PEFC jedoch ungleich dringlicher, denn die Übergangsfrist bis zum Inkrafttreten des überarbeiteten PEFC-CoC-Standards ist kürzer und läuft bereits am 26. November 2011 ab.“, so Dr. Denny Ohnesorge, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft Rohholzverbraucher e.V. (AGR).

Mit einer Chain-of-Custody-Zertifizierung soll der Weg des Holzes vom Ursprungsort im Wald über die gesamte Verarbeitungskette bis zum Endprodukt zurückverfolgt werden. Die Produkte der Zellstoff- und Papier, sowie der Holzwerkstoffindustrie bestehen mehrheitlich aus einem Mix aus zertifizierten und nichtzertifizierten Rohstoffen. Sie verwenden Rundholz und die in Sägewerken anfallenden Nebenprodukte – eigentlich ein Musterbeispiel der Kaskadennutzung von Holz. Ist die Rückverfolgung der Herkunft bei Rundholz schon problematisch, so ist sie jedoch bei SNP momentan unrealistisch. Die Gründe hierfür sind vor allem technische Restriktionen, die eine physische Trennung der Rohstoffe bei den Holzverarbeitern und Händlern unmöglich machen. Nicht zuletzt liegst aber auch am massiven Wettbewerb zwischen stofflichen und energetischen Holzverwertern und der fehlenden juristischen Durchsetzbarkeit von Lieferantenauskünften aufgrund der Freiwilligkeit einer Zertifizierung.

Viele Mitgliedsunternehmen der unterzeichnenden Verbände haben bereits speziell geschultes Personal eingestellt, um sicherzustellen, dass keine Rohstoffe aus umstrittenen Quellen in die Produktion fließen. „Die aktuellen Anforderungen an den Nachweis für SNP gehen momentan jedoch an der Praxis vorbei.“, so Ohnesorge weiter.

Da die Unternehmen auch weiterhin PEFC-zertifizierte Produkte vertreiben wollen, fordern sie den PEFC-International auf, als ersten Schritt die Übergangsfrist zu verlängern. Dies schafft zumindest Zeit, dass der PEFC gemeinsam mit den Zertifikathaltern und erfahrenen Auditoren die Anforderungen an den Herkunftsnachweis diskutiert und praktikable Lösungen erarbeitet.

Abgestimmt wurden beide Erklärungen im gemeinsamen Arbeitskreis Zertifizierung (AKZ) der deutschen Holzindustrie, der gegenwärtig von der AGR koordiniert wird. Im AKZ beraten sich die Zertifizierungsexperten von Unternehmen der Zellstoff- und Papierindustrie, der Holzwerkstoffindustrie und der Sägeindustrie zu aktuellen Entwicklungen im Bereich der Wald- und Produktkettenzertifizierung. Unterzeichner der Erklärung sind daher der Verband Deutscher Papierfabriken e.V. (VDP), der Verband der deutschen Holzwerkstoffindustrie (VHI), der Bundesverband der Säge- und Holzindustrie Deutschland e.V. (BSHD), der Verband der deutschen Sägeindustrie (VDS) sowie die AGR.

Beide Erklärungen, die PEFC Produktkettenzertifizierung und die Frankfurter Erklärung zum FSC-CoC-Standard, können Sie sich hier downloaden: